DROps Kritik
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Kritik an der Umsetzung eines DROps für BER

DROps, dedizierter Betrieb der Pisten – was ist das?

Dedizierter oder gewidmeter Betrieb der Pisten (DROps) ist ein Sammelbegriff für verschiedene Betriebsregimes, bei denen die Pisten eines Flughafens einem ganz bestimmten Zweck gewidmet sind. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Die Widmung kann z. B. darin bestehen, daß eine Bahn für Flüge nach Sichtflugregeln und die andere für Flüge nach Instrumentenflugregeln; eine Bahn als Betriebspiste und die andere als Reservepiste; oder durch entmischten Betrieb eine Bahn als Startbahn und die andere als Landebahn genutzt wird. Je nach Dedikation ergeben sich verschiedene Betriebsverfahren, die man unter der Bezeichnung DROps zusammenfaßt. Bislang wurden der FLK drei DROps-Konzepte für BER zur Beratung vorgelegt, das erste davon als ein Konzept der bevorzugten Pistennutzung (Preferential Runway Use):

  • BB-Modell aus Wildau ..... (entmischter unabhängiger Parallelflugbetrieb ohne wechselnde Pistenwidmung);
  • DROps der DFS GmbH ..... (Nachtflugbetrieb jeweils nur auf einer Bahn mit wechselnder Pistenwidmung);
  • BER DROps-Verfahren ..... (entmischter unabhängiger Parallelflugbetrieb mit wechselnder Pistenwidmung).

Trugschluß oder Vorurteil – Quelle von Fehlentscheidungen

Zitat: MIL, Aktenzeichen 44/1-6441/1/101, Planfeststellungsbeschluss Ausbau Verkehrsflughafen Berlin-Schönefeld, S. 409

„Um das den Planungen zugrunde liegende Verkehrsaufkommen von 360.000 Flugbewegungen mit einem Zweibahnsystem bewältigen zu können, ist es erforderlich, dass die beiden Bahnen unabhängig voneinander betrieben werden können.“


Das Verkehrsaufkommen läßt sich mit oder ohne DROps also nur bewältigen, wenn die beiden Bahnen unabhängig voneinander betrieben werden. Obgleich die hier gezeigten Abflugverfahren für unabhängigen Betrieb der beiden Bahnen ungeeignet sind und darum vom festgestellten Plan abweichen, verordnete das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung deren Einsatz durch die DFS GmbH. Die Verantwortlichen mußten inzwischen aufgrund einer anderweitig durchgeführten Sicherheitsbewertung einräumen, daß von diesen Abflugverfahren eine Gefährdung ausgeht und sie darum annulliert werden – immerhin erst fünf Jahre nach der amtlichen Verordnung der Verfahren zur geplanten Eröffnung des Flughafens vom 03. Juni 2012. Was, wenn BER damals in Betrieb gegangen wäre?

Abflug 07L (blau) gefährdet Fehlanflug 07R (rot)


ungeeignete
Abflugverfahren
Betriebsrichtung Ost:
LULUL 1X
ROKMU 1X

Abflüge 07L (blau)
hätten
Abflüge 07R und
Fehlanflüge 07R (rot) gefährden können.


ungeeignete
Abflugverfahren
Betriebsrichtung West:
LULUL 1V
ROKMU 1V
IDOBA 1V

Abflüge 25R (blau)
hätten
Abflüge 25L und
Fehlanflüge 25L (rot) gefährden können.
 

Abflug 25R (blau) gefährdet Fehlanflug 25L (rot)

Die Behauptung, DROps sei nur nachts durchführbar, dient als Vorwand, um die Bestrebungen nach entmischtem Betrieb einzudämmen. Daher gibt es keine vernünftige Erklärung, weshalb die DFS GmbH ihr DROps-Konzept ausgerechnet auf das Nutzungskonzept bei Schließung einer Bahn stützt. Kann doch dedizierter Betrieb mit beiden Bahnen umso wirksamer unnötige Lärmbelästigung vermeiden und den eingeschränkten nächtlichen Luftverkehr sowieso bewältigen, je besser er dem Verkehrsaufkommen tagsüber gewachsen ist.

Aufgrund der Weiternutzung der alten Abfertigungsgebäude von Berlin-Schönefeld will die Flughafengesellschaft den BER in zwei virtuelle Höfe aufteilen. Beim sogenannten „Double-Roof” Betrieb muß auf eine am Zielflughafen orientierte Zuweisung der Startbahn verzichtet werden. Kurze Rollwege zwischen Parkposition und Start werden bei den betreffenden Abflügen mit beträchtlich längeren Flugwegen – auch auf Kosten anderer – erkauft. Unter den von der FBB GmbH willkürlich gesetzten Randbedingungen können die Pisten nur gemischt betrieben werden. Indes hat der festgestellte Plan die Trennung von ankommendem und abfliegendem Verkehr zum Ziel. Ferner ist laut ICAO der entmischte Betrieb in der Praxis (siehe z. B. London-Heathrow) häufig die bessere und erfolgreichere Wahl, wenngleich theoretische Studien scheinbar für den gemischten Betrieb sprechen.

Die Landesregierung Brandenburgs besteht nicht darauf, gleichzeitige Starts oder gleichzeitige Landungen am BER durchzuführen, wenn dies aufgrund des Verkehrsaufkommens operativ nicht erforderlich ist. Dennoch will die bei der Staatskanzlei angebundene AG Betriebsregelung BER einen dedizierten Betrieb nur für die Nacht verwirklichen. Umso befremdlicher wirkt es, daß die brandenburgische Regierung der FLK die konkrete Information vorenthält, wann darüber hinaus ein DROps in Form von entmischtem Parallelflugbetrieb möglich wäre.

Entmischter unabhängiger Betrieb am Tag so lange wie möglich

Die oben abgebildeten Abflugverfahren sollen nun eine ausreichend unabhängige Streckenführung erhalten, soweit nicht schon andere geeignete, zu denselben Endpunkten führende Verfahren vorhanden sind. Die Alternative 2 ist für Südabflüge von der Nordbahn bei Betriebsrichtung West sicher und zweckdienlicher. Übrigens, im entmischten Modus gebrauchte Abflugverfahren müssen lediglich von den benachbarten Fehlanflugverfahren unabhängig sein, weil auf der anderen Bahn ausschließlich Landungen und einzelne zeitlich nicht planbare Fehlanflüge stattfinden.

Laut Studie der Flughafengesellschaft können auf einer Bahn mindestens 35 Starts pro Stunde abgewickelt werden. Zeitgleiche Starts auf beiden Pisten sind frühestens bei Überschreiten dieser Anzahl pro Stunde erforderlich. Die Genehmigungsbehörde bestätigt dies. Insofern muß der DFS GmbH widersprochen werden, DROps sei nur nachts durchführbar. Es kommt vielmehr darauf an, daß er in einer geeigneten Form durchgeführt wird und daß jederzeit ein Übergang zum gemischten Parallelflugbetrieb gewährleistet ist.

Um das Verkehrsaufkommen bewältigen zu können, müssen beide Bahnen unabhängig voneinander betrieben werden. Wer beim DROps einfach eine Bahn brachliegen läßt, verhindert damit entmischten Parallelflugbetrieb zur normalen Betriebszeit und belästigt die Betroffenen mehr als nach den Umständen unvermeidbar. Es macht bei gleichem energieäquivalenten Dauerschallpegel einen Unterschied, ob infolgedessen die Belästigung von früh am Morgen bis in die Nacht oder nur die halbe tägliche Betriebszeit andauert.

Das BER DROps-Verfahren zeigt, daß zur normalen Betriebszeit entmischter Betrieb mit demselben Paket unabhängiger Flugverfahren realisiert werden kann, mit dem gemischter Parallelflugbetrieb während der Spitzenverkehrszeiten durchgeführt werden soll. Solch ein Paket unabhängiger Flugverfahren ist sogar dann zu gebrauchen, wenn im Falle einer blockierten Piste nur eingeschränkter Betrieb möglich ist.
DROps kann außerhalb der Spitzenverkehrszeiten – z. B. durch unabhängigen entmischten Parallelflugbetrieb – zum aktiven Lärmschutz beitragen.

Webpräsenz Achim Lorber | Stand: 10.07.2017

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